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Steve Lacy - Outings
Chronique d'album

Steve Lacy - Outings

Anmerkung der Redaktion7,0/ 10
Von Le Stagiaire·

"Outings" ist kein Album, das dazu gedacht ist, einen Klangraum zu füllen, sondern vielmehr, den Abstand zwischen zwei Punkten darzustellen, ohne dass eine Brücke gebaut wird. Dieses Album, das 1986 auf dem Label Ismez veröffentlicht wurde, präsentiert sich als eine Struktur, die aus nur zwei Teilen besteht: "Labyrinth" öffnet die Tür zu einer abgeschlossenen Welt, während "Island" diese Öffnung wieder schließt und eine eigene Welt abriegelt. Zwischen Regeneration (1983) und Only Monk (1987) zieht Steve Lacy eine gerade Linie, die sich nur kurzzeitig verzweigt, bevor sie wieder verschwindet.

Labyrinth: Die Schleuse, die Steve Lacy einschließt

"Labyrinth" präsentiert sich als eine Schleuse, in der das Licht von außen durch ein dickes Glasgitter gefiltert wird. Es ist die Eröffnung eines Albums, das nicht dazu gedacht ist, tiefgehend erkundet zu werden, sondern eher diagonal durchquert zu werden. Der Titel selbst deutet bereits auf diese Geometrie hin: Man betritt ein Labyrinth, dessen Zentrum und Ausgang unbekannt sind. Der erste Track der ersten Seite fungiert wie eine sich sofort wieder schließende Tür. Es gibt keinen allmählichen Aufbau zu einer instrumentalen Dichte, keinen Anstieg, der eine zweite Hälfte des Werks andeuten würde. "Labyrinth" existiert einfach, wie ein Wartezimmer, in dem die Zeit genau im Moment des Überquerens der Schwelle stillsteht.

Island: Der Archipel, an dem niemand anlegt.

"Island" bildet den Abschluss der zweiten Schallplatte und versiegelt mit einer stillen Intensität die Diskrepanz zwischen dem, was zu Beginn gesagt wurde, und dem, was außerhalb liegt. Dieser abschließende Titel fungiert wie ein letztes Signal, das von einer isolierten Position aus gesendet wird, ohne dass eine Antwort erwartet wird. Es gibt keine narrative Entwicklung, die zu diesem Ende führt: Man überquert keine Brücke, um "Island" zu erreichen, man ist bereits dort, allein aufgrund einer kompositorischen Entscheidung. Der letzte Track der zweiten Schallplatte wirkt wie ein erloschener Leuchtturm, dessen Strahl das Meer durchstreift, ohne jemals ein Schiff zu treffen.

Die Stille der Gastbeiträge als Zeichen einer radikalen Entscheidung

"Outings" enthält keine aufgelisteten Gastbeiträge, weder in der Version A1 von "Labyrinth" noch im Track B1 "Island". Steve Lacy komponiert hier nicht, um eine kollektive Textur zu schaffen; er schreibt, um die Einsamkeit des Klangs zu betonen. Das Album präsentiert sich als ein Porträt des Künstlers in einem Zustand absoluter Reinheit, in dem jede potenzielle Zusammenarbeit explizit ausgeschlossen wird. Dieses Vakuum ist keine Lücke: es ist das eigentliche Thema des Albums.

"Outings" zwischen "Regeneration" und "Only Monk": ein Übergangsalbum.

"Outings" lässt sich geografisch zwischen zwei Alben einordnen, die unterschiedliche Etappen in Steve Lacys Karriere markieren. Nach "Regeneration" (1983) veröffentlichte er dieses Album, bevor er 1987 "Only Monk" herausbrachte. Die Position von "Outings" in dieser Reihenfolge ist nicht die eines Übergangs zu einem neuen Stil: es ist eine Pause, in der der Künstler sich von seinen vorherigen Projekten entfernt, um zu den Grundlagen zurückzukehren, zur reinen Präsenz des Klangs, der von einem einzigen Instrument erzeugt wird. Zwischen 1958 und 1969 hatte Steve Lacy "Soprano Sax", "Reflections: Steve Lacy Plays Thelonious Monk", "The Straight Horn of Steve Lacy", "Evidence", "Disposability", "Sortie" und "Epistrophy" veröffentlicht. Diese früheren Alben bilden einen Korpus, der "Outings" seinen Wert als Rückkehr zu den Ursprüngen verleiht: weniger eine Abkehr als eine Bestätigung eines bereits alten Prinzips, bei dem das Sopransaxophon zur einzigen Stimme eines Albums wird, das jede Art von Überlagerung ablehnt.

Fazit eines klanglichen Paradoxons

"Outings" ist das Album eines Künstlers, der die Beschränkung als Schreibmethode gewählt hat. Indem er nur zwei Titel veröffentlicht, zwingt Steve Lacy den Hörer zu einer Erfahrung der Zeit: Man muss keinen langen Weg zurücklegen, um die Feinheiten zu entdecken. Man betritt das Labyrinth und verlässt es über die Insel, ohne jemals das gesamte System kennenzulernen. Dieses Album bietet weder stilistische Entwicklung, noch Zusammenarbeit mit anderen Künstlern, noch thematische Ausarbeitung. Es funktioniert wie ein Echo, bei dem jeder Klang nur durch die Anwesenheit von Steve Lacy und seinem Instrument erzeugt wird. Diese Sparsamkeit ist das Hauptmerkmal von "Outings": ein minimalistisches Album, bei dem jeder Titel gleichermaßen durch seine Position in der Reihenfolge (Track 1 / letzter Track) und durch sein Fehlen einer narrativen Entwicklung gewichtet wird.

Technische Daten

- Veröffentlichung: 1986 - Label: Ismez - Titel: 2 - Eröffnung / Abschluss: Labyrinth / Island

🎬 Die Clips des Albums

2 clips · fortlaufende Wiedergabe

Titel

  1. 1
  2. 2

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Kritik veröffentlicht am 03/10/2026 · Kolumnen

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